Natürliche Sterbebegleitung

Seit Beginn der Villa Anima im August 2015 konnte ich sehr viele Erfahrungen mit dem Thema Tod und Sterben sammeln. Im Schnitt sterben 15-20 Tiere bei uns im Jahr.

Viele Besucher sagen mir:

Das muss ja schlimm sein!
Sterben ist was Schreckliches!
Das könnte ich nicht!

Ehrlich gesagt: Nein. Sterben ist nicht Schlimm. Aber es tut weh, einen Tiergefährten nach langer Zeit gehen zu lassen. Loslassen fällt uns Menschen schwer. Den Sterbeprozess an sich kann man sich allerdings wie eine Geburt vorstellen. Tiere haben keine Angst vor dem Tod, sie nehmen es an und wissen, was passiert. Sterben ist demnach auch nichts Schreckliches – es gibt mehrere Sterbephasen, die individuell durchschritten werden und das Wissen darum macht den Umgang mit dem Abschied leichter. Das Begleiten eines sterbenden Lebewesens kostet sehr viel Kraft und Mut. Wir machen dadurch unseren Lieben auf dem Sterbebett ein großes Geschenk. Es verbindet mich mit den Tieren unheimlich, wenn ich die letzten Stunden für sie da und mit ihnen sein darf. Manche wollen auch alleine sein, das respektiere ich.

Haben die dann nicht Schmerzen?
Die verhungern ja!
Die muss man erlösen! 

Wenn Tiere genauso wie Menschen alters- oder krankheitsbedingt Schmerzen haben, gibt es meist sehr gute Möglichkeiten mit Schmerzmitteln und Homöopahtika zu helfen. Ein empathischer Tierarzt und/oder fachkompetente Terheilpraktiker sollten beratend zur Seite stehen. Mit Hilfe von Tierkommunikation können die Wünsche des Tieres erfragt werden. Sobald der Sterbeprozess anfängt – meist der Zeitpunkt, an dem sich viele Tierbesitzer zum Einschläfern aufmachen – fühlt das Tier in der Regel keinen Schmerz und keinen Hunger mehr. Die verhungern also nicht – ein sterbender Körper braucht keine Nahrung mehr, stößt eher alles ab was Ballast ist. Der Körper fällt in sich zusammen, das Tier macht evtl. seltsame Geräusche, es strampelt vielleicht. Das sind typische Dinge, die beim Sterben passieren – was viele aber nicht wissen.

Erlösen – Einschläfern. Das sind so sanfte Worte, die uns einiges versprechen. Hier sollte man sich bewusst sein: ein Leben wird vorzeitig beendet, wir greifen damit in den natürlichen Prozess ein. Wie das funktioniert, muss der Tierarzt genau erklären können. Dann sind sie erlöst – meistens die Besitzer, von ihren Leiden, ihr altes krankes Tier sterben sehen zu müssen. Niemand will sein Tier leiden sehen – doch was ist Leid? Leidet das Tier wirklich? Oder leide ich, weil ich es nicht aushalten kann? Übertrage ich meine Bedürfnisse auf mein Tier (Hunger, Schmerz)? Das Euthanasieren ist in unserer Gesellschaft so sehr etabliert, dass es sehr wenige Tiere gibt, die Zuhause gehen dürfen. Anfangs wurden hier viele Schützlinge euthanasiert, weil man das ja so macht, leider oft vom Tierarzt gedrängt. Es hat sich nie richtig angefühlt. Wieso maßen wir uns an, zu urteilen was lebenswert ist und was nicht? Tiere können und wollen diesen Weg selbst gehen. Das ist ein tiefes, inneres Gefühl, welches ich bei Abschieden empfinde.

Ein großes Anliegen ist mir daher auch, den Tierbesitzern zu sagen, mehr zu hinterfragen und sich vom Druck der Gesellschaft zu lösen – ihren Tieren zuliebe.
Übertragt eure menschlichen Bedürfnisse nicht auf die Tiere. Es gibt sicher auch Ausnahmen, bei denen die Euthanasie hilft. Eine natürliche Begleitung muss man auch psychisch und mental tragen können. Das geht oft an die eigenen Grenzen. Natürlich Sterben sollte normal, einschläfern die Ausnahme sein, nicht andersherum. Sterben ist Teil des Lebens. Nehmen wir es an!

Wo kann ich mir im Hilfe holen, wenn sich ein Abschied abzeichnet?

„Wenn Tiere sterben – ein Guide für Tierhalter“

Mit diesem Guide erhältst Du eine Hilfestellung, wenn Du Dich auf einen Abschied Deinen Tieres vorbereitest. Auch wenn Du noch nicht sicher bist, ob Dein Tier selbst gehen darf oder Du die Entscheidung treffen wirst, wird der Guide Dir helfen, Deinen individuellen Weg zu finden.

Bald hier erhältlich: Wenn Tiere sterben | Tierliebe und Trauer (tierliebe-und-trauer.de)

Von Herzen,

Vanessa Reif
Gründerin der Villa Anima